Tulpenmania – Spekulieren bis die Blase platzt

Journal — By on 18. November 2015 10:59

Es gibt heute die verschiedensten Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen. In erfolgreiche Unternehmen zum Beispiel. Aber würden Sie Ihr Vermögen in Blumen investieren?

Genau dies taten die Menschen im 17. Jahrhundert in Holland. Sie investierten ihr Geld in Tulpen. Es gibt etwa 150 Arten, die auf mehreren Kontinenten heimisch sind. Eine Tulpe der Sorte Viceroy wurde im Februar 1637 in Alkmaar sogar für 4203 Gulden ersteigert – ein immenser Wert, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen damals 150 Gulden betrug.

800px-Semper_Augustus_Tulip_17th_centuryTulpen als lukrative Geldanlage für jedermann?

Die Geldanlage in Tulpen erfolgte oft nach dem Prinzip „die Katze im Sack kaufen“. Denn man erwarb teilweise eine Zwiebel, die noch im Erdboden lag und spekulierte auf die Möglichkeit, diese noch vor Auslieferung der Tulpe zu einem besseren Preis verkaufen zu können. Da es sich bei vielen der Tulpen um Neuzüchtungen handelte, wussten viele Anleger gar nicht, wie diese einmal aussehen würden. Doch ungeachtet dessen stiegen die Preise aufgrund der Beliebtheit dieser Blume immer weiter nach oben, sodass die Investition in sie lohnenswert erschien, sogar für vergleichsweise gering verdienende Berufsgruppen wie Dienstmädchen.

Manchmal trügt der Schein

So vielversprechend die Tulpen als Geldanlage auch aussahen, so unvorhergesehen kam der Ausgang einer Tulpen-Auktion im holländischen Haarlem. Keine der Tulpen war zum erwarteten Preis verkauft worden. Diese Nachricht löste nach Verbreitung bei den Anlegern eine Welle der Panik aus: ohne zu überlegen, versuchten die Zwiebelbesitzer ihre Ware so schnell wie möglich los zu werden und nahmen dafür herbe Verluste in Kauf. Die bis dahin existente Blase platzte.

Spekulationsblasen – warum entstehen sie?

Menschen sind „anfällig“ für Spekulationsblasen. Sie entstehen, sobald Anleger und Spekulanten mit ihrem Kaufverhalten die Preise für eine scheinbar vielversprechende Anlage in Höhen treiben, die den realen Marktwert weit übersteigen. Die Aussicht auf sehr hohen Gewinn – nicht selten verbunden mit geringem Hintergrundwissen – sorgt dafür, dass Menschen „blind“ für wahrscheinliche Risiken werden. Hierbei spielt sicher auch der Nachahmungstrieb des Menschen eine wichtige Rolle. Man macht das, was die anderen auch machen. Auch die „Greater Fool-Hypothese“ (Quelle: „Business Dictionary“) kann zum Entstehen einer Spekulationsblase beitragen: Hierbei kaufen Anleger teure Wertpapiere mit dem optimistischen Vorhaben, sie an einen größeren „Dummkopf“ („Greater Fool“) zu einem noch höheren Preis weiterverkaufen zu können. Unter solchen Umständen ist es also naheliegend, dass die Blase irgendwann platzt und die Verluste unter Umständen groß sind. Aber solange es Menschen und verlockende Anlagemöglichkeiten gibt, werden wohl auch Spekulationsblasen immer wieder entstehen – genau wie Tulpen.

Immobilienblase?

In Deutschland steigen die Preise für Immobilien kontinuierlich – das pfeifen die Spatzen von Dächern: Dennoch besteht „bundesweit keinerlei Blasengefahr“, wenn man dem aktuellen „Blasenindex“ des Berliner Instituts empirica vertrauen schenken darf [empirica Blasenindex].

Man spricht von einer Spekulationsblase, wenn die hohen Preise allein auf dem Glauben basieren, dass die Wiederverkaufspreise steigen werden und nicht durch andere Faktoren geerdet sind. Solche Blasen gehen in der Regel mit einer starken Ausweitung der Finanzierung mit Fremdkapital einher, denn die erwarteten Renditen lassen sich so weiter steigern.

Eine Immobilienblase ist daher immer auch eine Kreditblase. Zudem steigt dabei das Handelsvolumen: Während einige Markteilnehmer ihre Gewinne einstreichen, springen andere noch auf den rasenden Zug. Haben die spekulativ getriebenen Preise eine kritische Höhe erreicht, so dass sich keine weiteren Käufer mehr finden, kommt es zu dem befürchteten Preissturz.

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