Action-Bias: Die Angst des Torwarts vorm Nichtstun

Branchen-News, Journal — By on 25. Oktober 2013 12:00

Abwarten und Tee trinken liegt uns nicht im Blut. Menschen neigen eher zu Aktionismus – auch da, wo Nichthandeln die bessere Option wäre.

Das gilt insbesondere für angespannte, risikobehaftete oder unklare Situationen – dann haben wir oft das Gefühl, etwas tun zu MÜSSEN. Aber proaktives Handeln ist keineswegs automatisch vernünftig und nicht per se die erste Wahl. Manchmal kann Nichtstun der bessere Weg zum Ziel sein.

Wenn uns jedoch eine Entscheidung „aufgezwungen“ wird, ist die Action-Bias in ihrem Element. Wissenschaftler haben das beim Fußballspielen untersucht – genauer gesagt: beim Elfmeter-Schießen. Wie verhielten sich die Torwarte statistisch in dieser brenzlichen Situation? Und wie oft liegen sie mit ihrer Entscheidung richtig? Was machen die Torwarte? In fast allen Fällen (95%) entscheiden sie sich für ein der beiden Ecken, um den Treffer zu verhindern.

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Und was machten die Schützen? Zielten sie nur nach links oder rechts? Natürlich nicht. Fast ein Drittel der Schüsse (30%) zielten in die Mitte des Tores.  Mit anderen Worten: Für einen Torwart wäre es rational, in rund 30% der Fälle der Action-Bias zu widerstehen und nicht „proaktiv“ zu handeln. Warum tun sie es nicht?

Der Zwang zu handeln

Die Wissenschaftler erläutern, dass die Torwarte einen „Zwang zum Handeln“ fühlen und ihm nachgeben. Etwas zu tun – in eine der beiden Ecken springen – wird einfach als selbstverständlich wahrgenommen; es ist einfach die Norm und dementsprechend fallen ihre Handlungen aus. Garnichts zu tun sähe auch reichlich blöd aus – außer in 30% der Fälle :-)

Außerdem gibt die proaktive Handlung dem Torwart das Gefühl, Einfluss auf eine Situation zu haben, auf die er im Grund keinen oder nur wenig Einfluss hat.

Was die Forscher am Beispiel des Elfmeterschusses zeigen konnten, gilt für viele andere Situationen auch. Auch bei finanziellen „Aktionen“ kann weniger oft mehr sein. Zwar gibt einem Handeln das Gefühl, die Kontrolle über eine Situation zu haben, aber Aktionismus ist eben nicht immer die erste Wahl. Wer auf jede kleine Veränderung auf den Kapitalmärkten reagiert, kann am Ende schlechter dastehen als Anleger, die langfristige Entscheidungen treffen, abwarten und Tee trinken.

Warren Buffett hat es sinngemäß so ausgedrückt: „Wir werden nicht für Aktivität bezahlt, sondern nur dafür Recht zu haben.“ Wichtig ist also, das Richtige zu tun und nicht überhaupt etwas zu tun. Das mag fürchterlich trivial klingen, ist aber der erste Schritt, dem Action-Bias zu entgehen.

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