Bräuche beim Hausbau – Teil 3 Richtfest

In dieser kleinen Serie stellen wir Ihnen einige alte, traditionelle Bräuche rund um den Hausbau vor. Manche dieser Bräuche haben ihren Ursprung bereits im Mittelalter oder gar früher. Dazu zählen auch noch heute die Grundsteinlegung, der Spatenstich, das Richtfest, Brot und Salz und auch das Aufstellen eines Baumes.

Bunt geschmückter Richtkranz eines Richtfestes
Bunt geschmückter Richtkranz eines Richtfestes

Das Richtfest gehört zu den ganz alten und bedeutsamen Traditionen rund um den Hausbau. Schon im ausgehenden Mittelalter war es bekannt. Der Brauch war damals im Grunde eine rituelle Form der “Aufwandsentschädigung”, wie sie im Mittelalter durchaus üblich war.

Der Name „Richtfest“ leitet sich vom Ausdruck “aufrichten” bzw. “errichten” ab. Damit wird das Aufstellen des Dachstuhls bezeichnet. Wichtig für das Fest ist das Aufsetzen der Richtkrone, damit den künftigen Hausherren das Glück beschieden ist. Doch Vorsicht! Zeigt sich der Bauherr von seiner geizigen Seite, spielen ihm besonders traditionsbewusste Zimmerleute womöglich einen bösen Streich, wie er früher üblich war: Dazu mauern sie eine leere Flasche in den Giebel. Weht der Wind darüber, produziert der eingemauerte Glaskörper entsetzliche Heultöne. Dann kann es natürlich mit dem Glück nichts werden.

Das größte Fest beim Hausbau

Auch heute ist das Richtfest oftmals das größte Fest beim Hausbau. Dazu sind alle Handwerker und Helfer, der Architekt, die Familie, Freunde und die neuen Nachbarn geladen. Es wird begangen, wenn die Grundmauern stehen und der Dachstuhl nach alter Tradition mit dem Einschlagen des letzten Nagels vom Bauherrn fertig gestellt wird. Dazu braucht er unbedingt ein geschicktes und glückliches Händchen – denn es bringt natürlich Unglück, wenn der Nagel nicht gerade in das Holz geht, sondern krumm.

Der Zimmermann hat das Wort

Ist die mit bunten Bändern verzierte Richtkrone auf dem Dachstuhl gesetzt, hält der Zimmermann eine kurze Rede, bei der ein klassischer Zimmermannsspruch nicht fehlen darf. Zum Beispiel:

Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhe die geübte Hand.
Nach harten arbeitsreichen Tagen grüßt stolz der Richtbaum nun ins Land.
Und stolz und froh ist jeder heute, der tüchtig mit am Werk gebaut.
Es waren wackre Handwerksleute, die fest auf ihre Kunst vertraut.
Drum wünsche ich, so gut ich’s kann, so kräftig wie ein Zimmermann,
mit stolz empor gehobnem Blick dem neuen Hause recht viel Glück.
Wir bitten Gott, der in Gefahren uns allezeit so treu bewahrt,
er möge das Bauwerk hier bewahren vor Not und Schaden aller Art.“

Scherben bringen Glück

Nachdem der Zimmermann den künftigen Bewohnern viel Segen und Glück gewünscht hat, wird gemeinsam angestoßen. Manche Bräuche wollen es so, dass danach die Gläser auf den Boden geworfen werden, denn Scherben bringen auch bei dieser Tradition Glück. Wenn die Gläser bersten, steht alles unter einem guten Stern. Doch was, wenn ein Glas wider erwartend heil bleibt? Kein Problem: Dann macht man das Glas wieder voll und versucht sein Glück von neuem… Danach werden die Gäste zum sogenannten Richtschmaus gebeten.

In der nächsten Folge geht es ums Schenken. Woher kommt die Tradition Brot und Salz zu schenken?

Bildquellen:

  • Bunt geschmückter Richtkranz eines Richtfestes: © IMMOVATION AG