„Kurioses aus Geld und Wirtschaft“ – Teil 10

Journal — By on 9. Juni 2016 09:05

Im 10. und letzten Teil unserer Sonderserie zeigen wir Ihnen, wie die Fuselanleihe funktioniert :-) Wir haben den Sketch von Chin Meyer für Sie zusammen gefasst, am Ende des Beitrags finden Sie ein Video des Originals, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten.


Die Fuselanleihe

Kabarettist Chin Meyer erklärt in einer Talkshow auf humorvolle Art und Weise, seine Sicht auf die Finanzwelt …

Er entwirft folgendes Szenario: Ein unerfahrender Wirt eröffnet eine Kneipe just in einer Gegend, in der besonders viele „arbeitslose Alkoholiker“ wohnen. Diese kommen jedoch nicht wie erhofft zum Trinken in die Kneipe, denn sie haben schließlich kein Geld. Irgendwann hat der Wirt die „rettende“ Idee – er lässt sie anschreiben! Denn ob er nun „praktisch oder theoretisch kein Geld verdient“, wie Chin Meyer es ausdrückt, ist ihm egal. Die Alkoholiker sind natürlich begeistert. Das Geschäft floriert (theoretisch).

Profite auf dem Papier

Dem Bankberater des Wirts fällt irgendwann auf, dass dieser auf dem Papier gute Profite macht. Er bittet ihn zu sich und lässt sich das Modell erklären. Der Wirt erläutert daraufhin sein Schuldschein-System. Der Bänker ist natürlich sofort begeistert und schlägt vor, daraus ein Finanzprodukt zu machen: die Schuldscheine sollen zunächst gebündelt und dann mit einem gewissen Abschlag weiterverkauft werden. So muss ein Käufer für einen Schuldschein im Wert von 100 € nur 70 € bezahlen und kann sich die restlichen 30 € vom Schuldner wiederholen. Das Risiko läge nun beim Käufer und nicht mehr beim Wirt oder der Bank. Und da „Schuldscheine von Alkoholikern“ nicht wirklich nach einem erfolgversprechenden Finanzprodukt klingt, nennen sie es kurzerhand …

„Fuselanleihe“

Irgendwann kommt die nächst größere Bank ins Spiel und schlägt vor, diese Anleihe noch professioneller und noch sicherer zu gestalten. Sie möchte die lukrativsten Kunden des Wirts auswählen, nämlich die „Trinker mit Abitur“. Diese sollen dann neu gebündelt werden, so dass ein noch attraktiveres Finanzprodukt mit dem vielversprechenden Namen „SSO“ – Suff-Sammel-Obligationen“ – entsteht. Und diese sollen wieder weiterverkauft werden. Das Modell wird so erfolgreich, dass über Jahre hinweg alles gut läuft und alle Beteiligten zufrieden sind. Irgendwann wittern auch die Landesbanken ein großes Geschäft. Sie bringen einen noch besseren Vorschlag für ein noch sicheres Produkt. Dieses wird sogar von einer amerikanischen Ratingagentur mit Bestnoten bewertet. Alle Leute kaufen daraufhin dieses totsichere Handelsgut. Die Prognosen sind fantastisch… bis eines Tages der Direktor einer kleinen Sparkasse aus der Provinz von einem der Alkoholiker ein bisschen Geld zum Begleichen einer ersten Rate sehen möchte… und da platzt die Blase und der Traum ist aus.

Und so absurd dieses Beispiel auch klingen mag – etwas ähnliches ist in der Vergangenheit tatsächlich schon vorgekommen, wie Sie hier nachlesen können.

Quelle: Markus Lanz

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